Studie: Wie digitale Technologien sexuellen Missbrauch von Kindern ermöglichen
Fast jedes fünfte internetnutzende Kind in den 21 untersuchten Ländern der neuen UNICEF-Studie wurde innerhalb eines Jahres mindestens einmal mit Hilfe digitaler Technologien sexuell ausgebeutet oder missbraucht. Dies geht aus dem Bericht „Through Children’s Eyes: How Digital Technologies Enable Child Sexual Abuse” hervor, den UNICEF im September veröffentlicht hat.
Der Bericht befasst sich mit Kindern im Alter von zwölf bis 17 Jahren, die das Internet nutzen. UNICEF schätzt, dass in diesen Ländern 20 Millionen betroffen sind. Kinder und Jugendliche in Deutschland wurden nicht befragt. Der Bericht verbindet Schilderungen betroffener Kinder mit einem der derzeit umfangreichsten Datensätze zu dem Thema.
Den Ergebnissen zufolge ereigneten sich nahezu 60 Prozent der Fälle auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und WhatsApp. Weitere 14 Prozent der Fälle fanden in Online-Spielen statt. Die Funktionen und die Gestaltung dieser Plattformen wurden dabei genutzt, um Vertrauen auszunutzen. Der Bericht zeigt, dass Missbrauch etwa durch gefälschte Konten und Funktionen für private Nachrichten erleichtert wird. In den untersuchten Ländern lernten 38 Prozent der Kinder die Person, die sie missbrauchte, zunächst online kennen. Gleichzeitig waren in 57 Prozent der Fälle Personen beteiligt, die das Kind bereits kannte, darunter Gleichaltrige, Partner*innen, Freund*innen und Familienangehörige. Das widerspricht der gängigen Annahme, dass Online-Missbrauch hauptsächlich von Fremden begangen wird.
Auch Jugendliche in Deutschland leben mit den geschilderten Gefahren. Sie haben klare Vorstellungen davon, was den digitalen Raum für sie sicherer machen würde. Das zeigte UNICEF Deutschland im Mai 2026 mit einer repräsentativen Umfrage zu Risiken und Nutzen von sozialen Medien unter 1.000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren. 84 Prozent sprachen sich beispielsweise für bessere Inhaltsfilter und die schnelle Löschung ungeeigneter Inhalte aus. Standardmäßig aktivierte Schutzeinstellungen – etwa private Profile und eingeschränkter Kontakt durch Fremde – befürworteten 80 Prozent.
Die Ergebnisse des aktuellen Berichtes machen den dringenden Handlungsbedarf erneut deutlich. Kinder müssen im digitalen Zeitalter besser geschützt werden.
Quelle: Jugendhilfeportal
