Kerstin Claus und Petra Ladenburger zu Besuch bei der PsG.nrw
Im Rahmen ihrer Ländertour besuchte die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) Kerstin Claus am 22. April die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW (PsG.nrw). Begleitet wurde sie dabei von Petra Ladenburger, der neuen Beauftragten für Kinderschutz und Kinderrechte des Landes NRW. Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Frage, was gelingende Prävention braucht und wie regionale, landes- und bundesweite Angebote bestmöglich Hand in Hand gehen. Der Besuch bot Gelegenheit, gemeinsam auf die Kinderschutzstrukturen in NRW zu blicken und zentrale Aufgaben und Herausforderungen sowie erfolgreiche Ansätze zu identifizieren.
Kerstin Claus: „Ich freue mich sehr, dass ich auf meiner Länderreise in Nordrhein-Westfalen auch die Landesfachstelle Prävention besuchen konnte. Das Land hat 2020 als erstes Bundesland eine Landesfachstelle zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen eingerichtet und damit sehr praxisnah den Schutz von Minderjährigen nachhaltig gestärkt. Für mich wurde durch den Besuch noch einmal sehr anschaulich, wie wirksamer Kinderschutz gelingen kann: Über die Bündelung und Weitergabe von Wissen, eine flächendeckende Qualitätsentwicklung und die Vernetzung bereits existierender, landesweiter Angebote. Es ist gut und wichtig, dass Prävention hier sehr umfassend verstanden und systematisch gestärkt wird. Von der Begleitung bei der Entwicklung von Schutzkonzepten über die Vermittlung von Anlaufstellen in Krisenfällen bis hin zu praxisnahen Informations- und Fortbildungsangeboten. Genau diese Breite und gleichzeitige Praxisnähe schaffen Orientierung und Handlungssicherheit. In Zeiten, in denen Kinderschutz zunehmend von ideologisch motivierten, fachfremden Akteur*innen instrumentalisiert wird, braucht es eine differenzierte, fachlich fundierte Praxis, die schützt, ohne zu vereinfachen oder Risiken einseitig zu verzerren.“
Petra Ladenburger: „Die Landesfachstelle leistet einen zentralen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt. Sie stärkt dabei nicht nur die bestehenden Strukturen und bündelt Wissen für Akteurinnen und Akteure, sondern bietet auch wertvolle Unterstützung in der Qualitätsentwicklung und Vernetzung. Es gibt sehr viel Expertise in Nordrhein-Westfalen, jedoch noch nicht flächendeckend. Deswegen kommt den fünf Regionalstellen eine besondere Bedeutung zu. Sie sind wichtige Ansprechstellen für Fachkräfte und freie Träger vor Ort in den fünf Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln und Münster und helfen bei der Prävention, Fortbildung und Vernetzung.“

Im Gespräch wurden insbesondere die Bedeutung von Schutzkonzepten in Einrichtungen, die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von Prävention und Intervention sowie die Herausforderungen im digitalen Raum thematisiert. Die Landesfachstelle, welche seit 2020 bei der seit über 70 Jahren in Nordrhein-Westfalen bestehenden Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS NRW) angesiedelt ist, brachte ihre Erfahrungen aus der landesweiten Fachpraxis ein und unterstrich die Notwendigkeit, Prävention und Intervention stets gemeinsam zu denken.
Roland Mecklenburg, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS NRW), zieht ein positives Fazit des Treffens: „Wir freuen uns sehr, dass wir die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen Kerstin Claus und die Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte in NRW Petra Ladenburger heute bei uns begrüßen konnten. Der intensive fachliche Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine kontinuierliche Vernetzung ist, um Kinder und Jugendliche wirksam vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Nur so können wir wertvolle Erfahrungen teilen, Lücken identifizieren und engmaschige, bedarfsgerechte Angebote gewährleisten.“ Britta Schülke, Geschäftsführung der AJS NRW, ergänzt: „Nur gemeinsam können wir Kinderrechte konstant stärken und ihnen den Raum geben, der ihnen gebührt. Denn Kinderrechte sind zivilisatorische Errungenschaften, die nicht in Frage gestellt werden dürfen.“
Der mehrtägige Besuch der Bundesbeauftragten Kerstin Claus in NRW ist Teil der Ländertour der Beauftragten, die dem Ziel dient, den Dialog zwischen Bund, Ländern und Fachpraxis zu stärken, gute Ansätze sichtbar zu machen und bestehende Lücken im Schutz von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren. Petra Ladenburger, welche die Bundesbeauftragte begleitete, ist seit dem 18.2. als Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte in NRW tätig. Sie möchte Kinder, Jugendliche und Familien bei ihren Anliegen unterstützen. Gemeinsam mit ihrem Team wird sie an geeignete Beratungs- und Hilfs-Angebote weitervermitteln. In der Ausübung ihrer Aufgaben ist sie unabhängig, fachlich nicht weisungsgebunden und nur dem Gesetz unterworfen.
