Anstieg queerfeindlicher Straftaten in NRW – Fachtag soll Handlungsperspektiven erarbeiten
Erstmals trafen sich rund 150 Fachkräfte aus Sicherheitsbehörden, Sozialer Arbeit, Wissenschaft sowie Vertretungen queerer Selbstorganisationen zu einem gemeinsamen Fachtag, um den interdisziplinären Schutz vor Hasskriminalität und Gewalt gegen queere Menschen zu stärken. Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und das Ministerium des Innern richteten die Veranstaltung „Queerfeindliche Gewalt im Fokus – Anforderungen und Handlungsperspektiven von Polizei und Sozialer Arbeit“ am Donnerstag, 1. Oktober 2026, im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP NRW) aus.
Anlass für die enge Zusammenarbeit der Ressorts ist der Anstieg queerfeindlicher Straftaten. In den Jahren 2021 bis 2025 wurden in der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität in Nordrhein-Westfalen ca. 800 Straftaten gegen queere Menschen erfasst. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Gewaltdelikten: Die Zahl der gegen queere Menschen gerichteten angezeigten Gewalttaten ist in diesem Zeitraum um 300 Prozent gestiegen. Da nur rund jede zehnte betroffene Person Anzeige erstattet, liegt die tatsächliche Belastung im Dunkelfeld noch deutlich höher. Dies belegt auch die vom Familienministerium geförderte Lebenslagenstudie „Queer durch NRW“. Demnach sind über 37 Prozent der mehr als 5.000 befragten LSBTIQ*-Personen in den vergangenen fünf Jahren Opfer eines Übergriffs geworden.
Aus Anlass der Tagung verweist die Landesregierung auf konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Prävention und des Opferschutzes:
- Ausbau der Anti-Gewalt-Strukturen: Die Ressourcen der Landesfachstelle Queere Anti-Gewalt-Arbeit (QUAGA) beim rubicon e.V. in Köln wurden im laufenden Jahr um eine Vollzeitstelle aufgestockt. Die Arbeit der Fachstelle QUAGA ist eng mit den Sicherheitsbehörden wie dem Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen verzahnt.
- Verlässliche Krisenhilfe: Das Land sichert die kontinuierliche Förderung von sieben psychosozialen Beratungsstellen für LSBTIQ* und deren Familien zur Bewältigung von akuten Krisen und Gewalterfahrungen.
- Systematisches Monitoring des Dunkelfelds: Die neue Melde- und Informationsstelle für Queerfeindlichkeit (MIQ) hat mit ihrem ersten Jahresbericht 2025 erstmals einen Lichtkegel auf das große Dunkelfeld im Bereich Queerfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen geworfen. Die Stelle bietet eine niedrigschwellige Möglichkeit, Vorfälle von Diskriminierung und Ausgrenzung offenzulegen, die sonst nicht sichtbar werden.
- Unterstützung vulnerabler Gruppen: Selbstorganisationen wie die Landeskoordinationen für Trans* und Inter* werden gezielt gefördert.
- Inkrafttreten des Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG NRW): Zum Datum des Fachtags tritt das Gesetz offiziell in Kraft. Mit dieser gesetzlichen Verankerung etabliert Nordrhein-Westfalen einen verlässlichen Rahmen für einen wirksamen Diskriminierungsschutz, der allen Menschen im Land zugutekommt.
Als nachhaltiges Ergebnis des Fachtags erarbeiten die Polizei Nordrhein-Westfalen und die Fachstelle QUAGA im Nachgang einen gemeinsamen Handlungsleitfaden, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Arbeitsalltag fest im Handeln der Institutionen zu verankern.
